Mit KI lassen sich Bilder und Videos leicht fälschen. Lehrkräfte müssen Kinder und Jugendliche für solche Deep Fakes und Desinformationen sensibilisieren – und selbst wissen, woran sie diese erkennen.

Gastbeitrag didacta Digital 01/24 – Leontine Päßler

Papst Franziskus posiert in Daunenjacke, Donald Trump küsst Wladimir Putin und Ukraine-Präsident Selenskyj ruft zur Kapitulation auf. Das kann nicht stimmen – oder doch? Wenn Künstliche Intelligenz und Desinformation, also bewusste Falsch- information, zusammenkommen, ist es schwer, Fakten von Unwahrheiten zu unterscheiden. Mithilfe neuer Technologien kann jeder Desinformation einfach erstellen und verbreiten. Das Niveau der Falschnachrichten wird dabei immer professioneller: Für sogenannte Deep Fakes, besonders überzeugende Fälschungen, werden mit Algorithmen des maschinellen Lernens realistische Bild-, Video- und Audiofälschungen produziert. So lassen sich Bilder und Videos erstellen, in denen Menschen scheinbar Dinge sagen oder tun, die sie nie gesagt oder gemacht haben. Auch Bewegungen von Körper und Gesicht können von einer Person auf das Foto oder Video einer anderen Person übertragen werden.

Gefährlich für die Gesellschaft und politische Prozesse

Mit solchen Mitteln lassen sich nicht nur bestehende Nachrichten manipulieren. Es ist auch möglich, frei erfundene Szenen täuschend echt wirken zu lassen. Aus Standbildern werden Videosequenzen und aus Zeitgenossen und historischen Figuren lebendig wirkende Charaktere. Die Täuschung bei Deep Fakes beruht also auf der vollständigen Inszenierung verbaler und nonverbaler Verhaltensweisen. Das macht sie besonders wirkungsvoll und überzeugend. Der AfD-Politiker Norbert Kleinwächter postete auf seinem Instagram-Kanal beispielsweise im März 2023 ein KI-generiertes Bild, das aggressive Menschen mit Migrationshintergrund zeigte. Die Absicht dahinter: das Vorurteil verstärken, Geflüchtete seien gewaltbereit.

Welcher Quelle kann ich trauen?

Deep Fakes stellen also eine echte Gefahr für die Gesellschaft dar. Sie werden häufig gezielt eingesetzt, um die öffentliche Meinung zu manipulieren und politische Prozesse in eine Richtung zu lenken. Wer Täuschungen und Lügen im Internet nicht schutzlos ausgesetzt sein möchte, muss die eigene Medien- und Digitalkompetenz stärken. Lehrkräften kommt dabei eine besondere Rolle zu. Denn solche Fakes verbreiten sich häufig rasch in den sozialen Medien und erreichen damit Kinder und Jugendliche. Diese sind bei der Unterscheidung zwischen seriösen und unseriösen Quellen in besonderem Maße auf Begleitung und Unterstützung angewiesen, um politische Ereignisse zu bewerten und eigene Meinungen zu entwickeln.

Wie schwer KI-erzeugte Desinformationen zu identifizieren sind, zeigt eine Studie der Universität Zürich: Die Forschenden ließen 700 Personen verschiedene Tweets bewerten. Sie waren zum Teil von einer KI verfasst, zum Teil von realen Userinnen und Usern. Darüber hinaus enthielten die Beiträge Fakten und Lügen. Das Ergebnis: Die Teilnehmenden konnten nicht zuverlässig unterscheiden, ob Tweets von einer KI oder einer realen Person stammen. Sie stuften KI-generierte Texte sogar häufiger als von Menschenhand geschrieben ein als diejenigen, die tatsächlich von realen Personen stammten. Zudem war die Wahrscheinlichkeit, auf falsche Inhalte hereinzufallen, bei den KI-generierten Texten um drei Prozent erhöht. Das klingt nicht viel. Aber wenn Desinformationen durch Künstliche Intelligenz glaubwürdiger wirken, kann das bei einer großen Menge an veröffentlichten Beiträgen einen maßgeblichen Unterschied machen und die Gesellschaft negativ beeinflussen.

Es ist also wichtig, dass Kinder den kritischen Umgang mit digitalen Medien bereits frühzeitig lernen können. Welcher Quelle kann ich vertrauen? Wie erkenne ich, ob ein Post, eine Nachricht, ein Video oder ein Foto wirklich echt ist? Und wie möchte ich mich selbst im digitalen Raum einbringen und bewegen? Lehrkräfte soll ten Schülerinnen und Schülern die Werkzeuge zur Verfügung stellen, die sie brauchen, um Desinformationen zu erkennen.

KRITISCH BLEIBEN UND GENAU HINSEHEN

Wie lässt sich herausfinden, ob ein Foto oder Video echt oder gefälscht ist? Woran sieht man, ob der Papst wirklich eine Daunenjacke trägt oder Donald Trump von Polizisten verhaftet wurde? Drei Tipps der Initiative weitklick.de:

1. Eine gute (Bild-)Qualität entlarvt Fehler

Sorgen Sie dafür, dass die Auflösung und die Bildgröße des Fotos oder Videos so hoch wie möglich sind. Dadurch können Sie sehen, ob etwas nicht ganz stimmig ist. Bei Bildern weisen beispielsweise sogenannte Artefakte auf den technischen Ursprung hin. Es handelt sich dabei um Teile eines künstlich generierten Bildes, die nicht echt aussehen. Das können zum Beispiel Hände, Ohren oder Münder sein, die nicht zum Rest des Bildes passen – etwa, weil sie verzerrt sind oder nicht dem Alter der abgebildeten Person entsprechen.

2. Mimik von abgebildeten Personen als Hinweis

Künstliche Intelligenz ist gut darin, Personen täuschend echt darzustellen. Bei natürlichen Reaktionen in der Mimik wie zum Beispiel Stirnrunzeln, Blinzeln oder Lach- und Zornesfalten tun sich KI-Modelle allerdings oft schwer. Werfen Sie deswegen einen genauen Blick auf die Mimik der abgebildeten Personen. Auch hier können Sie an Verzerrungen Fakes erkennen.

3. Den Kontext überprüfen

Möchten Sie erkennen, ob ein Foto oder Video echt ist, sollten Sie immer einen genauen Check der Quelle vornehmen. Über eine Bilder-Rückwärtssuche kann man online herausfinden, wo ein bestimmtes Bild bereits veröffentlicht wurde. So lässt sich häufig rausfinden, ob ein Foto von einer seriösen Quelle stammt. Außerdem können Sie schauen, ob Faktencheck-Portale wie zum Beispiel Correctiv, dpa-Faktencheck oder Bait das Video oder Foto bereits überprüft haben.

Teaserbild: DALL·E